Übersicht: Farbgenetik bei Pferden

By küwi | Zucht

Ich habe diese Übersicht aus dem englischen übersetzt und hoffe, ich habe sinngemäß alles richtig geschrieben.
Der ursprüngliche Artikel wurde von einer Medizinstudentin mit Schwerpunkt (Tier)Genetik verfaßt.


Pferde Genetik:

Zuerst eine Übersicht über die Basis Begriffe

Gene und Allele

Ein Gen ist eine bestimmte Sektion der DNA, die aus verschiedenen zusammengefügten Proteinen besteht. Diese Eiweißkombinationen sind das, was uns letztlich den aktuellen visuellen Effekt gibt wie eben die Änderung der Fellfarbe.
Ein Allel ist die Version des Gens. Zum Beispiel hat das Tobiano Gen zwei verschiedene Versionen, und daher auch zwei verschiedene Allele. Das eine Allel ist einfärbig ( ergibt keine weißen Flecken ) während das andere das Allel für die Tobiano Scheckung ist.

Dominant: Es gibt ein Gen, das „stärker“ ist als das andere, Es kann andere Gene „verstecken“ bzw. überdecken. Dabei muss nur eine Kopie des Gens vorhanden sein, um die Farbe zu bewirken. Bay ( kastanienbraun ) ist ein Beispiel für eine dominante Farbe. Bay ist immer dominant über schwarz.

Rezessiv: Das ist ein Gen, das „schwächer“ ist im Vergleich zu anderen. Es kann hinter anderen Genen versteckt vorkommen, aber es wird sich nie zeigen, wenn ein dominantes gen vorhanden ist. Ein rezessives Gen wird sich nur zeigen, wenn es doppelt vorhanden ist. Schwarz ist zum Beispiel eine rezessive Farbe, weil Schwarz immer rezessiv zu Bay ist.

Unvollständige Dominanz: (aka Codominanz)
Hier wird es etwas komplizierter, Codominante Gene „teilen“ ihre Aufgaben mit anderen Genen. Ein Beispiel wäre hier das Creme Gen.
Bei Pferden gilt: Ccr = Creme und ccr = kein Creme.
Ein Fuchs ist also ccrccr, ein Cremello ist CcrCcr, ein Palomino liegt dazwischen mit Ccrccr.

Andere Begriffe:

Phenotyp: Das ist das offensichtliche Aussehen, wie man die Farbe „von außen“ wahrnimmt. Man sagt „Dieses Pferd ist schwarz“.

Genotyp: Dieser beinhaltet die genetisch vorhandenen Gene, die vorhanden sind, die man aber nicht immer erkennen kann. Sagt man“ Dieses Pferd ist ein Brauner mit Fuchsgen“ beschreibt man den Genotyp.

Chromosom: Ist ein einzelner mehr oder weniger langer Teil der spiraligen DNA, das verschiedene Gene trägt. Normalerweise treten Chromosomen immer paarweise auf. Hauspferde haben 32 Chromosomenpaare bzw. 64 einzelne Chromosomen.
Przewalskypferde haben z.B. 66 Chromosomen.
Selten kommt ein Chromosom alleine vor, aber wenn dann resultiert daraus meistens ein genetischer Defekt wie das Down Syndrom beim Menschen oder die Unfruchtbarkeit bei männlichen 3färbigen Katzen.

Locus: (Plural “Loci” = Platz ). Ein Locus ist eine fixe Position auf einem Chromosom. Dieser beschreibt, was wir als ein ganzes Farbset ansehen.
Z.B. Ccr und ccr sind beide am „C-Locus“. Auf dem Locus sind faktisch zwei Positionen ( da ja Chromosomen immer paarweise auftreten)
Auf die eine Position kommt das gen, das vom Vatertier mitgegeben wird, auf die andere Position kommt das Gen, das vom Muttertier vererbt wird.
Darum hat man immer nur maximal 2 Gene auf einem bestimmten Locus. Es gibt also keine Pferde, die Ccrccrccr haben können.

Kommen wir also zu den individuellen Farbloci und Allelen:

Wenn nach oder vor einem Allel ein Platz frei gelassen wird, heißt das dass dieser von irgendeinem der an dieser Stelle verfügbaren Allele besetzt sein kann.
Bei einem braunen Pferd kann man nicht sagen, ob es schwarz trägt oder nicht, also schreibt man A_.


Basis Farben


A Locus – “Agouti”

Der Begriff „Agouti“ kommt von einem südamerikanischen Nagetier. Dieser Begriff bezieht sich meistens auf die hauptsächliche bzw. „wilde“ Farbe einer Spezies. Agouti bei Katzen ist immer getigert, bei Pferden ist es braun.

A – Agouti: Braun
a – Non-Agouti: Schwarz

A ist dominant über a.
Ein echter Rappe ( bzw. jedes aa Genotyp Pferd ) kann nie einen Braunen produzieren, wenn es mit einem anderen aa Pferd verpaart wird.
Ein Brauner jedoch ( bzw. jedes A_ Genotyp Pferd ) kann einen Rappen hervorbringen ( oder eine andere Farbe mit aa Genotyp)

Beispiele für agouti Farben: Brauner, Buckskin, Perlino, Schwarzbraun, Braun Roan oder Braun Dun

Beispiele für non-agouti Farben: Schwarz, Smokey Black, Smokey Creme, Blue Roan, Grullo


E Locus – “Extension”

Die Bezeichnung “Extension” bezieht sich darauf, ob und wie diese Allele dem Schwarz erlauben, sich über das gesamte Fell zu verbreiten.

E – Extension: Schwarz
a – Non-Extension: Rot ( Fuchsfarben )

E ist dominant über e.
Ein echter Fuchs ( bzw. jedes ee Genotyp Pferd ) kann nie einen Rappen hervorbringen, wenn es mit einem anderen ee Genotyp Pferd verpaart wird. Ein Rappe jedoch ( bzw. jedes E_ Genotyp Pferd ) kann einen Fuchs hervorbringen ( oder eine andere Farbe mit e Genotyp)

Beispiele für Extension Farben: Bay (Kastanienbrauner), Buckskin, Perlino, Bay Roan, Bay Dun, Rappe, Smokey Black, Smokey Creme, Blue Roan, Grullo

Beispiele für non-Extension Farben: Fuchs, Palomino, Cremello, Red Roan, Red Dun

Aufhellungsfarben
Aufhellungsgene sind Allele, die den Grad der Pigmentation reduzieren, der in der Fellfarbe angezeigt wird.


Ccr Locus – “Cream”

Wie schon erwähnt, zeigt dieses Allel eine unvollständige Dominanz.

Ccr – Creme
C – Non-Creme

Ccr and C sind codominant. Sie teilen sich ihre Aufgaben.
Ein Pferd mit CcrCcr wird doppelt aufgehellt sein, sehr blass in der Fellfarbe und mit blauen Augen. Ein Pferd mit CC zeigt die normale Fellfarbe ohne jeder Aufhellung.
Ein Pferd mit CcrC wird in der Aufhellung dazwischen liegen.

Beispiele für doppeltes Cremegen: Cremello, Perlino, Smokey Creme

Beispiele für einfaches Cremegen: Palomino, Buckskin, Smokey Black

Beispiele für kein Cremegen: Fuchs, Brauner, Rappe


Ch Locus – “Champagne”

Die Herkunft der Bezeichnung ist unbekannt, möglicherweise, weil „Champagner“ mit einer hellen Farbe assoziiert wird.

Ch – Champagne
ch – Non-Champagne

Ch ist dominant über ch.
Ein Pferd ohne Champagnegen ( chch) kann nie ein Pferd mit Champagne produzieren, wenn es mit einem anderen chch Pferd verpaart wird.
Aber ein Champagne Pferd ( Ch_ ) kann sehr wohl ein Pferd ohne Champagne produzieren.

Beispiele für Nicht-Champagne Farben: Alles außer Champagne-Farben

Beispiele für Champagne Farben: Classic Champagne ( Rappe + Champagne), Sable Champagne ( Sealbrown + Champagne ), Amber Champagne ( Bay + Champagne ), Gold Champagne ( Fuchs + Champagne )


D Locus – “Dun”

Dun haben fast immer einen Aalstrich, der oft schwer zu erkennen ist, vor allem bei aufgehellter Grundfarbe. Meistens haben sie auch eine Art Zebrastreifen an den Beinen, diese müssen aber nicht auftreten.

D – Dun
d – Non-dun

D ist dominant über d.
Ein reines dd Pferd kann mit einem anderen dd nie einen Dun produzieren.
Ein dun Pferd mit D_ kann aber ein non-dun produzieren.

Beispiele für Dun Farben: Dun ( = „Falbfarben„ ), Bay Dun = Braunfalbe, Red Dun = Rotfalbe, Grullo= Graufalbe

Beispiele für non-Dun Farben: Alles andere. In natura können aber braun-basierende Pferde eine Art Gegentönung aufweisen, die einem Aalstrich ähneln.


Prl Locus – “Pearl”

Pearl braucht eine eigene Erklärung: Dieses Allel braucht immer eine gewisse Kombination mit anderen Allelen um sichtbar zu werden.

Prl – Non-pearl
prl – Pearl

Pearl zeigt sich nur in Kombination mit „ee“ oder Creme Gen!

Apricot: Fuchs mit zwei Pearlgenen (ee prlprl)
Apricot Dun: Red Dun mit zwei Pearlgenen (ee prlprl D_)
Apricot Roan: Red Roan mit zwei Pearlgenen (ee prlprl R_)

Pearl kann auch in heterozygoter Form ( nur ein Pearl Allel: Prlprl ) sichtbar werden , wenn es in Kombination mit einem Cremegen vorkommt = CcrC Prlprl
Es gibt Spekulationen darüber, dass das Pearlgen auf dem gleichen Locus vorkommt wie das Cremegen, wegen der Art wie es gleich/ ähnlich arbeitet.
Hat man z.B. Einen Buckskin mit einem Pearlgen, zeigt sich der Phenotyp als Perlino.
Ein Palomino mit einem Pearlgen gleicht phenotypisch einem Cremello usw.

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