Gedanken zum neuen Reitunterricht. Korrektur, Anlehnung, Dehnung (im weitesten Sinne).

By Jasmin* | Ausbildung

Jetzt wird es etwas länger, aber ich würde mich freuen, wenn sich ein paar Leute die Zeit nähmen und evtl auch eine rege Diskussion enstehen würde.

Ich hatte gestern zum ersten mal seit längerer Zeit wieder Unterricht, bei einer Reitlehrerin, die eine Freundin von mir ausfindig gemacht hat. Sie ist neu hier in der Gegend, deshalb kennt man sie hier noch nicht wirklich und es gibt keine Meinungen oder Erfahrungen zu ihr.

Mein Wallach wird nächstes Jahr 22, wir waren in jüngeren Jahren in etwa auf A/L-Niveau, sind dann vermehrt “im Gelände rumgeeiert”, er war fast drei Jahre immer wieder krank, seit diesem Jahr machen wir wieder mehr, er ist wieder recht gut in Form und soll durch vernünftiges Reiten meinerseits noch lange fit gehalten werden. Kondition haben wir im Gelände aufgebaut, leichte Springgymnastik 2-3 mal im Monat, 2-4 mal wöchentlich Gymnastizierung, so wie ich es mit einem jungen Pferd machen würde (tiefere Kopfhaltung, große Linien, Kraftaufbau durch Übergange undundund), in der Halle wieder seit 2 Monaten, immer gerne mit Stangen und Spaß, denn das ist es, weshalb ich reite, aber mit einem gewissen Plan was wo und warum und dem nötigen Ernst in Bezug auf Kontinuität und korrekte Ausführung.

Ich bin übervorsichtig mit der Hand, will mit möglichst passiver Hand reiten, achte aber auf stetige Verbindung zum Maul. Außerdem möchte ihn nicht überfordern und ich merke natürlich deutlich, dass ihm der Aufbau nicht mehr so leicht fällt, wie das mit 4 der Fall war 😉 Mir ist aber auch bewusst, dass Dehnung und Muskelaufbau nicht durch “nett drauf sitzen” vonstatten geht und durchaus mit Arbeit und einer gesunden Spannung verbunden ist.

Laut der RL habe ich einen ganz guten, sicheren Sitz und eine ruhige Hand (zu meinem Einknicken in der rechten Hüfte und dem Hochziehen/Vorschieben des rechten Beins, sowie dem eindrehen der der linken Hand, hat sie nichts gesagt).
Pferd und ich gehören (gehörten zu der Sorte: Wir setzen (stellen) uns mal nett hin, dann sieht es schön aus und es ist bequem :na: .
Jungendreiter, E-Dressuren und E-Stilspringen haben wir vor gefühlten 100 Jahren damit reihenweise abgeräumt. Dass das kein richtiges Reiten und gemogelt ist, ist mir heute bewusst.

Ich glaube, wir sind im Moment wieder beim Punkt Losgelassenheit angekommen und müssen nun eine ordentliche Anlehnung mit vernünftiger Dehnung erarbeiten. Ich reite zB. viele Tempi,- und Gangartwechsel auf großen Linien, immer mit dem Gedanken an die Dehnung des Halses und eine fleissige Hinterhand.

Nun soll ich, laut der RL das Pferd aktiv “runter reiten” mit breiter Zügelführung und deutlich mehr Druck auf dem Gebiss, als ich das sonst mache. Er soll sehr tief und rund (nein, nicht mit der Nase an der Brust, aber auch nicht mit der Nase vor der Senkrechten) eingestellt werden, damit soll ich im Schritt anfangen, bis er nachgibt und das genau so dann im Trab und im Galopp machen, damit der Bereich um den Widerrist gedehnt wird und so auf Dauer der Rücken hoch kommt.
Theoretisch unterschreibe ich fast alles was sie so von Biomechanik und Training gesagt hat, aber dieser Punkt des aktiven Runterreitens stört mich gewaltig.
Interessanterweise habe ich mir während des Unterrichts gedacht, dass es ja stimmt, er muss sich dehnen und er soll nicht auf der Vorhand rumschlüren, aber jetzt, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ihr Weg der richtige ist.
Ihren Tipp des tief ausbindens an der Longe möchte ich nicht befolgen, ich longiere nicht mehr gerne, weil er es auch total langweilig findet und ich mag die engen Wendungen für seine Beine nicht. Außerdem sehe ich keinen Sinn darin, ihn vorne runter zu holen ohne das durch Gewicht und Schenkel regulieren zu können.

Ich möchte ihn nicht vornehmlich mit der Hand runter reiten, auch wenn es jetzt nur zur Korrektur ist.

Ich hatte die Vorstellung davon, dass die “Idee” von der Nase an der Senkrechten mit leicht gewölbtem Hals, schwingendem Rücken und einer aktiven Hinterhand genau andersherum erarbeitet wird.
Aktive Hinterhand –>schwingender Rücken –>gewölbter Hals mit der Nase an der Senkrechten (natürlich stark vereinfacht, aber ich möchte ja kein Buch schreiben …).

Ist es wirklich notwendig, dass ich ihn derartig “korrigiere”? Ergibt sich das Wölben nicht auf die Dauer durch mein korrektes Reiten, ohne die deutliche Handeinwirkung? Dadurch, dass ich den Schwung, den ich reintreibe und reinsitze, mit federnder Hand abfange um so einen Spannungsbogen erzeuge, der nach und nach ausgebaut werden kann?

Ich glaube, die Antwort auf meine Fragen zu kennen und mein Gefühl ist nicht gut, beim Gedanken an die Art zu reiten, wie ich es jetzt laut der RL machen soll.
Ich frage mich aber, ob ich an dieser Stelle wieder zu “weich” bin.
Mir ist es relativ egal, ob irgendwas länger dauert oder wie auch immer. Mein Ziel ist es, reell zu reiten.

Wie gesagt, ich würde mich sehr über einen Austausch freuen, auch wenn mir bewusst ist, dass das wohl ein noch zeilenfüllendereres Thema, als die halbe Parade ist 😉 .

(22) comments

Add Your Reply
>