Pferd verkaufen – "darf" man das?

By jaara2008 | Archiv: Allgemeine (Pferde)Themen

Ich mache mir gerade so meine Gedanken…

Wir alle lieben unsere Pferde. Zwar gibt es viele unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen bezüglich Rasse, Haltungsform, Reitweise, Ziele beim Reiten und so weiter. Aber letztlich liegen uns allen unsere Pferde am Herzen. Für manche ist das Pferd womöglich sogar Partnerersatz, Kindersatz, Lebensinhalt oder zumindest Freund, Gefährte, für andere vorrangig ein Partner, mit dem er seinen Sport betreibt. Fairness und Respekt gegenüber dem Wesen Pferd bringen sicher die meisten mit.

Ob nun die Pferd-Besitzer-Konstellation immer so glücklich ist, sei dahingestellt. Das Pferd ist zu klein, zu groß, zu gut, zu schlecht, zu jung, zu alt, zu temperamentvoll, zu langweilig, zu was-weiß-ich. “Darf” man sein Pferd verkaufen, wenn man das Gefühl hat, es passt nicht (mehr) so recht? Wenn man das Gefühl hat, man selber ist unglücklich mit dem Pferd? Oder das Pferd mit mir?

Ich selber habe mir das immer verboten: Damals bekam ich das Pferd meiner Träume, eine wunderschöne, charakterlich traumhafte, aber dennoch nicht immer ganz einfache Trakehner-Stute. Ich liebte sie von Herzen. Mit ihr bekam ich, wie sich nach ein paar Monaten herausstellte, mein zweites Pferd: Sie war tragend. :rolleyes: Vater war ein Trakehner-Haflinger-Hengst, das Fohlen, auch eine Stute, war von ihrer Geburt an völlig anders als die Mutter: Diese, eher vorsichtig, sehr sanft und dem Menschen sehr zugetan, manchmal hysterisch, aber im Grunde herzensgut, nahm einen großen Platz in meinem Herzen ein. Die Kleine (inzwischen 23 Jahre alt) war bereits in ihren ersten Lebensstunden sehr dreist, gegen alles, immer wieder respektlos und forderte zeitlebens einen klaren Rahmen – Tag für Tag. Natürlich nahm und nimmt sie ebenfalls einen Platz in meinem Herzen ein, aber im Grunde hat mich ihre Art oft auch genervt, dieses Immer-wieder-Hinterfragen: “Gilt die Regel von gestern heute auch noch?” Sie hat mich täglich zu allergrößter Konsequenz gezwungen und tut es heute noch. “Mal fünfe gerade sein lassen” ist mit diesem Pferd nicht möglich, und das ist manchmal auch anstrengend. Reiterlich war sie auch nicht immer ganz ohne, aber im Grunde ein angenehmes Reitpferd, mutig, fleißig (zumindest im Gelände) und gut händelbar. Dazu kommt, dass sie sehr “unnahbar” ist: Sie hasst es, gebürstet oder gestreichelt oder überhaupt nur angefasst zu werden.

Wie auch immer: Das Pferd, das ich mir eigentlich ausgesucht hatte, das mir im Grunde mehr liegt, ist natürlich die Empfindsame, Freundliche. Die manchmal Sture, Unfreundliche, Dreiste liegt mir im Grunde gar nicht so sehr. Und doch habe ich sie nie verkauft. Ich habe mir das nie gestattet. Habe all die Jahre immer nach Wegen gesucht, mit ihr klarzukommen und mich ihr anzunähern. Es gab immer wieder Rückschläge, aber natürlich auch gute Zeiten und tolle Erlebnisse – falls ich das zu sehr Schwarz-Weiß gemalt habe, dann entspricht es natürlich nicht ganz den Tatsachen.

Nun geht es auf das Ende dieses Pferdelebens zu (nein, nicht akut, einfach nur von ihrem Alter her), und ich frage mich, ob ich recht daran getan habe, dieses Pferd zu behalten, obwohl ich nicht immer glücklich mit ihr war. Ich stelle mir vor, dass sie das womöglich auch spürt, dass sie mir in manchen Bereichen nie so recht “genügt” hat. Und dass sie sich vielleicht auch manches Mal wie das “fünfte Rad am Wagen” gefühlt hat (zu vermenschlicht?) Vielleicht hätte sie bei jemand anderem ein erfüllteres, fröhlicheres Leben gehabt, wer weiß?

Und doch kam ein Verkauf für mich nie in Frage – nicht nur wegen ihrer oft labilen Gesundheit (Ich dachte mir immer: “Wer kauft denn so ein Pferd? Höchstens der Metzger.”). Und ich hatte auch immer das Gefühl, ich würde meiner Verantwortung für dieses Wesen, dass da in mein Leben getreten ist, nicht gerecht, wenn ich es abgebe. Also quasi: Ein Kind gebe ich ja auch nicht weg, nur weil es vielleicht nicht in allem ganz genau so ist, wie ich mir das vorstelle.

Ich hoffe, ich rede nicht so wirr, und ihr könnt Euch meinen gedanklichen und gefühlsmäßigen Zwiespalt vorstellen. Welche Lebensgeschichten zu diesem Thema gibt es von Euch und Euren (ehemaligen?) Pferden? Vielleicht mag ja jemand erzählen…

(62) comments

Add Your Reply
>