wann ist ein Leben nicht mehr Lebenswert

By testadmin | Allgemein, sonstiges

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Wann ist ein Leben nicht mehr lebenswert?
Muss ein Pony „erlöst“ werden – nur weil es alt ist?

Die Oma meines Mannes ist im letzten Jahr 2 Tage nachdem sie 99 wurde friedlich eingeschlafen. Sie lebte bis zu ihrem letztem Tag allein. Natürlich war sie nicht mehr taufrisch und das sie als Model nicht mehr arbeiten konnte, versteht sich von selbst. Auch das ihre Knochen in dem Alter nicht mehr die gesündesten waren, dürfte jedem klar sein.

Aber das Oma deshalb keine Lebensqualität mehr hatte, darf man deshalb nicht voraussetzen – oder doch?

Unsere Oma war immer froh wenn die Familie zu Besuch war. Wenn sie für ihre Kinder, Enkel und Urenkel kochen konnte. Meinem Sohn hat sie Mau Mau beigebracht, war mit ihm im Garten und hat ihm erklärt welche Pflanzen er essen darf und welche giftig sind. Sie hat ihm erklärt wie, welcher Volgel heißt, welche Vögel in den Süden ziehen und welche den Winter hier verbringen.
Als Pascal in der Schule häkeln musste, brachte sie ihm dies bei.
Wollte Oma spazieren gehen, schob Pascal sie in ihrem Rolli. Und wenn Oma besonders gut drauf war, schob sie Pascal.

Kein Sonntag verging ohne das Oma die Messe besuchte. Natürlich immer wie aus dem Ei gepellt – schließlich gehört sich das so…
Die Haare wurden aufgedreht und es musste immer das schönste Kleid angezogen werden. – Man war schließlich Dame!!!

Unsere Oma war 45 Jahre Witwe – hat ihre Rente genossen und sich in jungen Jahren (bis zu ihrem 93 Lebensjahr) die Welt angesehen.
Uns hat sie stundenlang von ihren Reisen, dem Krieg und dem Aufbau ihrer Wohnsiedlung erzählt.
Leider musste Oma mit den Jahren ihre Geschwister u. Freunde zu Grabe tragen. So das ihre Erzählungen immer damit endeten, das sie wohl die nächste sein wird….
Sie aber täglich dem Herrgott dankte, das er sie hat so lange leben lassen…

Einmal nur habe ich sie „klagen“ gehört. Als ich krank wurde, weinte sie und betete das sie anstatt ich krank werden soll…

Oma ging es immer gut, auch wenn man sie hin und wieder schimpfen hörte, das der „ verdammte , alte Körper“ nicht mehr mitspielte und wenn sie doch nur 10 Jahre jünger wäre, was sie dann noch bewegen könnte, im Haus, im Garten….

Kein Mensch ist je auf den Gedanken gekommen, unsere Oma müsste von ihren Altersleiden erlöst werden und wollte sie einschläfern!

Warum ich euch das erzähle?!? Nun, weil ich immer wieder auf Menschen treffe, die diese Geschichte anders sehen, wenn es um alte Pferde geht!

Zu meiner Fellbande, gehört auch Lisa.
Lisa wurde am 01. Mai 32Jahre alt. Sie ist nicht mehr taufrisch und sieht keinesfalls mehr, wie ein gesundes, stolzes Reitpferd aus.
Sie „leidet“ unter dem Cushingsyndrom, ist recht mager und hat dicke, verformte Vorderfußwurzelgelenke. Trotz der „kaputten Beine“ ist sie munter und läuft lahmfrei.
Hin und wieder (meist nachdem ihre Hufe gemacht wurden – auf drei Beinen stehen fällt ihr sehr schwer) scheint ein Bein zu schmerzen. Dann bekommt sie Aspirin und für Notfälle haben wir immer Equipalazon im Haus. (was wir noch NIE geben mussten)
Lisa steht mit in unserer kleinen Herde, ist voll integriert und selbst unser Chacco (Herdenchef der sich nicht auf der Nase herum tanzen lässt) zollt der alten Dame den angebrachten Respekt.

Unsere Omi bekommt 3x täglich ihren Brei bestehend aus Heucops, Weizenkleie, Hafer, Müsli, Rübenschnitzel u. Leinsamen.
Wie das bei so alten Omis eben so ist, können wir sie nicht mehr wirklich umerziehen. So kommt es, dass sie nach ihrer Breimahlzeit oft aussieht, als hätte sie ihren Kopf in den Schlamm gesteckt.
Jeder versuch mit ihr über ihre Tischmanieren zu sprechen ist erfolglos gescheitert. So kommt es, das Lisa und ihr Umfeld nach den Mahlzeiten oft nicht wirklich appetitlich aussehen.
Hinzukommt, das unsere Omi morgens oft noch den Schlaf in den Augen hat, dies sieht ebenfalls nicht toll aus, vor allem in Verbindung mit dem unterschiedlich langen Fell, dass dann auch noch des nachts durch ausgiebiges schuppern an allen möglichen und unmöglichen Gegenständen in alle Windrichtungen steht. Wenn man Lisa morgens nach dem füttern sieht, mit dreckigem Fell (schließlich wälzt Omi sich täglich ausgiebig) verklebten Augen und Futterbrei bis hinter die Ohren, könnte man denken, dem Pferd ginge es tatsächlich sehr schlecht.

Aber, kann man so etwas durch eine Momentaufnahme beurteilen?!?

Und wenn ja, wer kann es beurteilen?!?

Eine Spaziergängerin, die meine Omi vorgestern Vormittag gesehen hat, sah ein zotteliges Pferd, mit Schmand im Auge, das Fell in alle Richtungen stehend, Futterbrei wo man hinschaut….
Aber ist dieser Mensch in der Position, ein Todesurteil zu empfehlen?

Ehrlich, für mich war das wie ein Schlag ins Gesicht. Wir die tagtäglich mit Lisa zusammenleben, die sich sorgen, Gedanken machen, lesen, Tierärzte konsultieren, das Pony seit Jahren kennen…müssen uns anhören, das (O Ton) dass mit Tierliebe nichts mehr zu tun hat.

Unsere Omi steht täglich mit Artgenossen auf ihrer Weide, wälzt sich ausgiebig und knabbert mit ihren nicht vorhandenen Zähnen am Gras.

Zwischenzeitlich steht man herum und beobachtet aufmerksam, mit erhobenem Kopf und aktiven Ohrenspiel die Umgebung.
Täglich spätestens alle zwei Tage wird sie ausgiebig geputzt. Sie genießt die Körperpflege mit allen Sinnen und kann nicht genug davon bekommen.

Die Körperpflege umfasst immer die gründliche Entfernung der toten Haare, die Pflege von Augen, Nüstern und den Intimbereich mit Öltüchern.
Danach darf Lisa sich erneut wälzen um dann die Nacht in ihrer sauber gemisteten, dick eingestreuten Box zu verbringen.

Ein Besucher der jetzt diese Momentaufnahme sehen würde, sähe ein zotteliges, altes Pferd, das jedoch mit klarem, sauberen Gesicht in einer trockenen, sauberen Box stehen würden. Das alte Pferd würde ihm wahrscheinlich mit hocherhobenen Kopf und blubbernden Nüstern darauf aufmerksam machen, dass es jetzt gefälligst Zeit für das Abendbrot sei…

Nachdem man mir sagte, das ein Pferd in diesem Zustand keine Lebensqualität mehr hat und das dies nichts mit Tierliebe zu tun hat, quälten mich Selbstzweifel.
Ich rief meinen Tierarzt an, er beruhigte mich und gab mir einen Rat…

„ Es gibt immer mal sogenannte Tierschützer, die Ihnen wegen Lisa auf die Nerven gehen werden, lassen Sie sich nicht von denen irgendetwas einreden, nur weil Pferde alt sind und sie nicht mehr richtig funktionieren, müssen sie nicht eingeschläfert werden, dass tun wir mit alten Menschen ja auch nicht!“

Ich denke, Lisa wir mir „sagen“ wenn es soweit ist…
Bis dahin werde ich mich nicht mehr verrückt machen lassen…
Der nächste, der mein Pony „erlösen“ will, weil es alt ist, darf sich warm anziehen!!!

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