Die optimale Haltung – Thesen aus einer anderen Welt

By Geisterlicht | Archiv: Smalltalk

Angeregt durch den Tod von Hickstead entstand in einer anderen (Foren)Welt eine Diskussion, die neben dem üblichen Verlauf – alle Turnierreiter sind ganz furchtbar pöööhse und mißhandeln ihre Tiere – einige interessante Thesen zum Thema Haltung ergab.

Es fing damit an, daß man Offenstall als die bestmögliche Haltungsmöglichkeit erkannte und empört auf den Einwand einer Userin reagierte, nicht jedes Pferd käme im Offenstall klar. Gerade ältere und rangniedrige Tiere hätten oftmals damit zu kämpfen, genügend Futter zu bekommen. So weit, so gut. Es wurde sofort losgeschossen, da müsse man halt ein Auge drauf haben (bin ich dabei) und das Pferd eben zufüttern. Von einer TÄin kam der Vorschlag, die computergestütze Fütterung einzusetzen. Bis dahin war noch alles gut und dann wurde es abenteuerlich.

Man stellte die These auf, Tiere dürfe man nur halten, wenn man sie auch selbst versorgen könne. Damit war nicht etwa gemeint, daß man finanziell dazu in der Lage sein sollte. Nein, man habe sich bitte schön von morgens bis abends und abends bis morgens komplett um sein Tier zu kümmern. Wenn man das nicht gewährleisten könne, dürfe man eben kein Pferd halten. Die TÄin hatte sich in der Zwischenzeit auf korrigiert – ein Pferd muß/darf/will nur von seinem Besitzer gefüttert werden und Pferde darf man überhaupt nur halten, wenn man ein Landgut hat.

An der Stelle kam ein weiterer User ins Spiel und damit ging es vollends nach Absurdistan. Pferdehaltung in Eigenregie ist für unter 200 Euro/Monat definitiv zu machen. Auf die Nachfrage, ob er denn da wirklich alle Kosten berücksichtigt hätte, wurde es interessant. Ich lernte aus dieser Diskussion:
– Pferde sind Familienmitglieder. Die darf man unter gar keinen Umständen von anderen Menschen betreuen lassen. Keiner kann das so gut wie der Besitzer selbst.
– Pferde müssen in einer Herde gehalten werden. Es ist schon pervers und verwerflich, sie für eine Stunde zwecks Befriedigung des eigenen Vergnügens (=Reiten) aus der Herde zu ziehen.
– Pferde auch nur über Nacht in eine Box (=Wandschrank) zu stellen, ist grob tierschutzwidrig.
– 2 Pferde sind schon eine Herde
– die einzig realen Haltungen findet man in Connemara, der Camargue und auf Island
– Pferden eine Eisenstange, ich wiederhole EISENSTANGE, ins Maul zu schieben, ist der Abgrund schlechthin und der Beginn von Sodom und Gomorra
– Paddockboxen sind auch widerlich – Pferde brauchen ihre Herde, siehe oben
– es ist völlig ausreichend, wenn Pferde (gerade ältere) einmal im Jahr den TA (welch glücklicher Besitzer und welch glückliches Pferd) und den Schmied 2x sehen. Stellung korrigieren und Strahl ausschneiden wird völlig überbewertet.
– ein Pferd braucht keinen Zahnarzt und die Schneidezähne darf man niemals nicht kürzen (schon gar nicht bei älteren Pferden)
– Pferdehaltung ist unter anderem so günstig zu realisieren, weil man ja nur ein Stück Weideland 3 Häuser weiter braucht und “Lebensmittel” günstig beim Bauern holen kann.

Als es an den Punkt kam, lag ich in einer Mischung aus Fremdschämen und Lachen auf dem Boden. Selbiger Mensch hatte 2 Isländer jenseits der 30, die er auf einem Stück Gras quasi nebenan hielt. Heu bezog er günstig vom Bauern nebenan und ansonsten bekamen die beiden Rüben und Mais, den er von den Resten auf den Feldern holen durfte und Kartoffelschalen als Leckerli.

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