Auto…

By patch | Archiv: Smalltalk

Hilfe, ich habe mein Auto geschrottet! Nachdem ich nun eine Woche vom ADAC einen Touareg fuhr, musste ich ihn abgeben. Zu Fuß gehen kommt nicht in Frage, ist organisatorisch nicht machbar, also hat mir meine Mutter ihr Auto geliehen. Das „Auto“ ist ein Suzuki Alto aus den (frühen?) Achtzigern.
Ich versuche tapfer, Lukas Kindersitz zu montieren. Hinten geht gar nicht, der Sitz passt leider nicht zwischen Tür und Sitz. Also vorne. Das geht, theoretisch, nur leider, leider, leider kann ich dann Lukas nicht mehr reinsetzen. Außer, ich falte ihn auf Briefmarkengröße. Also muss der nächste Kindersitz her, ist so ein Styroporsitz, muss halt gehen für ein paar Tage. Meine Mutter überreicht mir den Schlüssel, ich schnalle das Kind an und falte mich selbst ins Auto. Äh, weg mit dem dicken Kissen vom Fahrersitz, das meine Mutter da benutzt, denn wenn ich das drinlasse, stoße ich mit dem Kopf an die Decke. Sofort bohrt sich eine Feder in meinen Hintern, der Sitz ist halt ein „bisschen“ durchgesessen. Nun bohrt es von unten, aber besser schlecht gefahren, als gut gegangen, oder?

Ich fahre den Sitz nach hinten (autsch), klemme meine Knie unter das Lenkrad und verdrehe passend meine Füsse. Los kann es gehen. „Beeil Dich!“ drängt meine Mutter, es regnet gleich. Ich bin schockiert, es regnet doch nicht durch das Dach??? Meine Mutter guckt mich strafend an, so ein Blödsinn, nein, die Lichtmaschine ist wohl kaputt, lädt die Batterie nicht mehr und deshalb geht das Auto aus, wenn man die Scheibenwischer betätigt. Man fährt also besser nicht, wenn es regnet! Mir schwant böses, was ist dann mit dem Licht? Nein, bestätigt meine Mutter, man fährt nur, wenn es hell, ist, siehe oben! Aber sie fährt doch sowieso nur bei gutem Wetter, muss ich doch wissen. Jaaaa, jetzt weiß ich aber auch, warum!

Schnurz, ist hell, es regnet noch nicht, ich muss zur Arbeit und Lukas in den Kindergarten.

„Äh, der Rückwärtsgang… „sagt meine Mutter. „Was ist damit“, frage ich entnervt
„Na ja, weiß ich auch nicht, aber das fährt dann nicht gut, macht so komische Geräusche, und die Gänge springen auch schon mal raus. Aber sonst fährt das Auto gut!“

Ich haue den Rückwärtsgang mit brachialer Gewalt rein, es gibt ein lautes Geräusch, ich zucke zusammen und versuche zurückzufahren. Geht nicht, der Gang springt raus. Nochmal, ok, jetzt fühlt es sich an, als würde die Bremse schleifen, aber es bewegt sich rückwärts. Ich winke tapfer und brösel los. Das Auto macht seltsame Geräusch, irgendwie heult es. 200 Meter weiter an der Ampel bremse ich, argh, die Kiste hat keinen Bremskraftverstärker, überdies knartscht es, als würde ich auf Eisen bremsen. Außerdem, das Auto heult. Ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll, es hört sich an, als würde ein Wolf neben mir herlaufen und den Mond anheulen. Ich liefere das Kind am Kindergarten ab und es fällt sintflutartiger Regen. War ja klar. Spontan beschließe ich, auf keinen Fall über die Autobahn zur Arbeit zu fahren, falte mich wieder passend ein, spüre die Sprungfeder (aua!) und brösel weiter. Verbotenerweise schalte ich hin und wieder den Scheibenwischer ein. Die Scheibe ist beschlagen, denn mir ist der Angstschweiß ausgebrochen, die Lüftung – siehe oben, die Lichtmaschine usw. usf. Mir ist schlecht. Als ich in den Kreisverkehr einbiege, hupt jemand.

Panisch gucke ich mich um, habe ich irgendwas umgenietet? Nein, ich hupe selbst, wird mir langsam klar. Dieses kleine Detail hat meine Mutter vergessen zu erwähnen. Bei Kurven hupt das Auto. Es ist auch sonst nicht leise. Also fahre ich hupend und heulend, ohne Scheibenwischer und Lüftung Richtung Büro. Sollte ich noch erwähnen, dass solcher Luxus wie Radio, Servolenkung usw. ohnehin ausfällt wegen ist nicht?

Ich wähle eine Nebenstrecke, eigentlich hauptsächlich Feldwege, der Sicherheit wegen. Die Stoßdämpfer rächen sich unverzüglich. Bei jedem Hubbel stößt mein Schädel gegen das Dach, was unverzüglich zur Folge hat, dass ich unsanft wieder auf der Sprungfeder im Sitz lande. Grmpf. Spaziergänger in den Kurven beschimpfen mich wüst ob des Gehupes, ich will in einen Gullydeckel springen. Das Geschoß aber saust tapfer weiter, heulend, hupend und hüpfend. Fühle ich mich wohl, sicher, trocken? Nein, ich habe resigniert und hoffe nur noch, anzukommen. Wegen der beschlagenen Scheibe habe ich das Fenster auf, so dass es mich nassregnet und eine Hand wischt hektisch die beschlagene Scheibe mit einem Tempotaschentuch.. Ich vermute, wenn ich die Motorhaube öffne, sehe ich eine Horde Zwerge da hocken, die hektisch diverse Zahnräder betreiben, verfolgt von einem Wolf, der frustriert im Kreis rennt und ebenfalls irgendwas antreibt und derweil wütend heult. Und irgendein bösartiger betrunkener Gnom trötet fröhlich mit einer Vuvuzela, die sich wie eine Hupe anhört, unmotiviert durch die Gegend.

Vor dem Büro angekommen, finde ich auf Anhieb einen Parkplatz. Immerhin ein Vorteil bei der Größe des Autos, man kann in einem Schuhkarton parken. Ist ohne Servolenkung nicht so einfach und das Hupen ist auch – äh peinlich. Ich falte mich aus und wanke ins Büro. Meine Chefin guckt komisch, ich frage, ob ich zu spät bin? Ja, drei Minuten. Ich gucke sie vernichtend an, ich bin da!!! Sie sagt, sie hätte gerade eine komische Alarmanlage gehört. Ha, ha!

Ich schweige, versuche mich möglichst unauffällig und schmerzlos zu setzen.

Ehrlich gesagt, graut es mir vor der Rückfahrt, ich stampfe innerlich mit dem Fuß auf, ich will mein Auto zurück!!! Ich will nicht mit Höchstgeschwindigkeit 80 alles aufhalten, ich will meine Servolenkung, mein Radio, meine Lüftung, meine orthopädischen Sitz und meinen Bremskraftverstärker! Unverzüglich rufe ich in der Werkstatt an, ich überlege sogar, ob ich heulen soll? Nutzt nix, die Kiste ist frühestens morgen fertig! ;(

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