Tagebuch eines Legebatteriehuhns

By Akascha | Archiv: Smalltalk

Am 23.5.2009 wurde ich mit etwa 2000 meiner Artgenossinen aus einer Legebattreie befreit und aus dem Sauerland nach Schleswig-Holstein verfrachtet. Um 16 Uhr war es soweit, der LKW hielt an und wir wurden auf verschiedene Menschen verteilt. Mein neuer Mensch nahm mich und 9 weitere von meiner Art mit. Wir wurden zu 5 in Kartons gesteckt und fuhren so nochmal 30 Minuten transportiert. Als wir aus den kartons entlassen wurden hatte ich Sand unter den Füßen und Stroh. Wir waren alle sehr aufgeregt, aber da war noch ein riesiges anderes Huhn, das zeigte uns, dass man in Sand scharren kann. Wir bekamen Futter und frisches Wasser, uns ging es gut. Von einem Tag auf den Anderen hatte sich unser Leben um 180 Grad gedreht. In der ersten Nacht stapelten wir uns alle in einer engen Ecke, wir lagen zu 10 aufeinander. Morgens gab es wieder Futter und etwas komisches grünes, eine nach der anderen kosteten wir es und es war köstlich saftig. Unserem Menschen wurde gesagt, dass wir erstmal nur im Stall sein sollten, da wir ja nichts kennen. So ging es die erste Woche, immer Futter und dazu etwas anderes, das uns unbekannt war. Wir legten in der Zeit Eier, aber nicht so viele, wie es sonst von uns verlangt wurde. Am 30.5. kam unser Mensch morgens zum Füttern in den Stall und entdeckte eine von uns, die es nicht geschafft hatte, sie war in der Nacht gestorben. Unser Mensch nahm sie heraus, wirkte dabei irgendwie betrübt. Natürlich bekamen wir wieder Futter und was leckeres dazu. Heute morgen war wieder iene von uns in den Hühnerhimmel gegangen, unser Mensch weinte, denn sie wollte doch, dass es uns endlich gut ging, nicht, dass wir sterben. Nun macht sie sich Sorgen, dass sie dauernd eine von uns tot findet. Eigentlich sind wir gut drauf, aber wir kennen nichts. Vielleicht ist die Freiheit zu viel für uns. Vielleicht bringt diese Freiheit uns um. Ich möchte leben, bisher geht es mir gut, vielleicht ist es mir und meinen Artgenossinen, die noch da sind , ja vergönnt ein Leben in Freiheit genießen zu dürfen.

(81) comments

Add Your Reply
>