Jammer- und Frustbox

By Patrizia | Kaffeeklatsch

Moin Moin aus dem Norden Ihr Lieben.
Ich habe rumgesucht, aber nichts ähnliches gefunden, falls es sowas doch gibt, bitte verschieben: Ich suchte einen Thread, wo man einfach mal ein Ründchen vor sich hin jaulen kann. Ohne dass man tatsächlich einen Tipp oder Rat sucht, einfach mal einen Ort zum ausjammern…..

Mir ist nämlich am Wochenende folgendes passiert:
Aufgrund von internen Problemen (Hof wird in Bälde verkauft) mussten wir unseren absoluten Traum-Stall verlassen, in dem wir in den letzten 3,5 Jahren wunderbar glücklich waren. Die Stallbesitzerin schafft neben einem Fulltimejob 5 Pferde nicht mehr allein, was ja verständlich ist, und bat darum, dass wir uns schon mal nach einem neuen Stall umgucken. Durch Zufall fanden wir dann einen im gleichen Dorf, bei dem auch gleich am Samstag Platz frei wurde. Wir waren sehr angetan, auch von der Tatsache, dass unser Ausreitgelände gleich bleibt, wir unsere ehemalige Stallbesitzerin stets besuchen können etc. Also am Samstag frischfröhlich die Pferde gesattelt und auf zum neuen Stall. Ging auch alles super. Sie fügten sich gleich prima ein, nach kurzer Zeit konnten wir sie schon zu den drei anderen lassen, es verlief alles verhältnismässig friedlich und geordnet. Die neuen Stallbesitzer auch super freundlich und lieb, abends grillten wir zum Einstand noch miteinander.

Der Sonntag auch prima, die Pferde alle scheinbar glücklich und zufrieden, meine kleine Ponystute hat sich gleich in den Chefwallach der Herde verguckt und die ganze Zeit munter mit ihm geturtelt. Unsere 4-jährige Berberin stand ein bisschen dazwischen/ daneben, lief aber sonst immer munter mit Pony mit. Nach Pferde putzen und ein bisschen Platz zeigen und leichtem Longieren gingen wir dann gegen 7 zufrieden wieder nach Hause, und zum Feiern prompt gleich noch eine Runde in die Innenstadt essen. Währenddessen beglückwunschten wir uns die ganze Zeit dazu, wie prima der Umzug geklappt hatte, wie schön der neue Stall ist etc. etc.

Um fast 11, wir liegen im Bett und dämmern gerade, erschöpft vom aufregenden Wochenende weg, geht das Telefon: unsere alte Stallbesitzerin dran: sie hat soeben unserer Berberin auf ihrem Hof vorgefunden! Unversehrt und staubtrocken, völlig ruhig, noch nicht mal mit beschleunigter Atmung. Sie hat sie erstmal in den Paddock gelassen (was soll sie auch anderes tun?). Wir in heller Aufregung im neuen Stall angerufen: Da lag natürlich auch schon die ganze Familie in den Betten (zwei Mädels mit 13 und 15 Jahren dabei), zum Glück stehen die Pferde dort aber direkt am Haus, die ganze Familie senkrecht hoch geschossen und mit Taschenlampen bewaffnet über die Wiesen gestiefelt. Wollten sich sofort melden, wenn's was Neues gibt.

Ich glaube, diese paar Minuten, das Warten auf den Anruf waren die schlimmsten meines Lebens. Ich bin nicht zart besaitet, aber da ging mir sowas von die Düse. Nicht nur, dass unsere Berberin den ganzen Weg nachts allein zurück gelaufen war (das “Unterdorf”, wo der neue Stall ist, ist vom “Oberdorf”, dem alten Stall. ein sattsames Stück entfernt, der Weg führt über Wiesen, Felder, an Straßen lang und ÜBER DIE BUNDESSTRASSE!!!), jetzt ging es ja auch darum, war a.) das Pony mit gelaufen, b.) die ganze Herde mit gelaufen c.) irrten alle jetzt irgendwo im Wald oder auf der Straße rum, d.) lagen jetzt mein Pony und drei Pferde von noch relativ wildfremden Menschen verendend auf der Bundesstraße mit e.) wohlmöglich noch verletzten Menschen und kaputten Autos dabei…….?!?!?

Nach 10 Minuten der erlösende Anruf: Alle Pferde da und sogar ruhig, nirgendwo eine Lücke im Zaun (die Zäune, muss man dabei wissen, top, ganz neu gemacht, mit dicken Bändern eingefasst, nirgendwo zugewachsen, da ist noch in der letzten Ecke die fast volle Ladung Hausstrom drauf, drumrum dicker Wald, nur ein einziger kleiner Trampelpfad führt durch den Wald auf ein unteres Feld, der Hinterausgang sozusagen…durch den waren wir rein gekommen…). Prompt hatte jemand unsere Berberin dann auch noch durchs Dorf laufen sehen, die Polizei alarmiert, die hat sämtliche Höfe in der Umgebung angerufen, ob irgendwo ein Pferd fehlen würde. Man darf sich das vorstellen: Da schiessen geschätzte 25 Leute Sonntag nacht um 11 aus ihren Betten hoch, ans Telefon und in ihre Ställe/ auf ihre Weiden, um ihre Rösser zu zählen, telefonieren mit Nachbarn, sorgen sich, die Polizei wird eingeschaltet…. wegen unserem dämlichen Gaul!!! Ich krieg Schnappatmung, wenn ich nur daran denke!! Und dann unsere armen lieben neuen Stallbesitzer, die sich auch noch Vorwürfe machten, dass ihre Zäune wohl nicht taugen, und noch anbieten, nachts im Dunkeln ins Oberdorf zu laufen und den Gaul wieder zurück zu holen (den Zahn haben wir ihnen erstmal gezogen – das machen natürlich wir heute, die alte Stallbesitzerin ist zum Glück so lieb, die Ollsche heute morgen noch zu versorgen und mit den anderen auf die Weide zu stellen….)

Mannomann. Ich kann Euch sagen, ich habe die ganze Nacht nicht gepennt. Die Gedanken rotierten nur so in meinem Hirn.

Und dann frag ich mich natürlich: Bring ich die blöde Schnalle (sorry, aber im Moment hab ich eine dermassenen Stunk auf dieses Pferd…) heute abend am Halfter, geritten oder im Hänger wieder in den neuen Stall? Ich denke, ich werde den Hänger nehmen, obwohls aufwändiger ist, aber einfach damit sie den Weg nicht noch einmal in aller Ruhe sich angucken kann (und sich dabei eins ins Hüfchen lachen und ihren nächsten Ausbruchversuch planen…..)

So. Japs. Das war's. Danke fürs Zuhören. Wollte mir den Mist nur mal von der Seele reden. Es gibt Tage, da will man kein Pferdebesitzer mehr sein…….geht's Euch aus so?

Patrizia

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