PRE x Vollblut = Papiere?

By Jessy. | Zucht

PRE x Vollblut = Papiere?
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Guten Abend zusammen,

da meine Vollblutstute aktuell tragend ist, keimt da so ne Idee auf.
Das jetzige Fohlen ist ganz normal von einem Warmbluthengst – dies ist auch schon verkauft.
Später möchte ich auch den Nachwuchs für mich ziehen. An sich hab ich aus dem Warmblutsektor schon einen Hengst gefunden der gut passt (wenn er bis dahin noch deckt).
Aber da ich an sich ein großer Fan der Iberer bin, wäre ich nicht abgeneigt, sie von einem geeigneten Hengst decken zu lassen.
Den ich meine es mal gehört zu haben, das bei dieser Kombi auch Papiere möglich wären. Als spanisches Sportpferd.
Bin ich da richtig oder falsch? Bevor ich nämlich die nächsten Jahre nach passenden Hengsten ausschau halte, will ich das abgeklärt haben 🙂
Den soll schon alles seine richtigkeit haben. Wenn ich was ohne Papiere will kann ich zum Nachbarort.
Vom Pferdezuchtverband BaWü wurde sie mit, für eine Vollblutstute, guten Noten eingetragen.

  • Elchbine Elchbine sagt:

    Papiere stellt beispielsweise der Zuchtverband für Deutsche Pferde aus – dort wurde auch bereits ein Hengst gekört, dessen Mutter eine hoch im Blut stehende Trakehnerstute und dessen Vater ein PRE ist. Ich glaube durchaus, dass sich aus dieser Anpaarung hübsche Pferde in der F1-Generation ergeben können, bin aber sehr skeptisch, was die Verwendung solcher „Mixe“ in der Zucht betrifft, nachdem eine züchterische Konsolidierung im Bezug auf die positiven Eigenschaften des Pferdes kaum möglich sein wird, wenn die Eltern unterschiedlichen Rassen angehören und bewährte Passanpaarungen, die zur Konsolidierung führen könnten, somit nicht erprobt sind. Ich beschäftige mich aktuell selbst intensiv mit der PRE-Zucht, nachdem ich 30 Jahre lang der Trakehnerzucht intensiv verbunden war und es noch bin. Was ich jedoch feststelle ist, dass man als Einsteiger in die Warmblutpferdezucht (oder auch die Vollblutzucht) problemlos an wichtige züchterische Informationen über die Zuchttiere kommen kann (FN Jahrbücher Zucht und Sport, Stutbücher, Hengstbücher, Fachbücher über Zucht), während man – wenn man kein Spanisch spricht – doch kaum züchterisch relevante Informationen über die in der Zucht eingesetzten spanischen Pferde, respektive die Ahnen des eigenen Pferdes bekommen kann. Das liegt natürlich auch daran, dass die meisten PRE-Hengste nicht annähernd so viele Nachkommen haben, wie die Vieldecker in der WB-Zucht, wo viele Jengste schon im ersten Jahr 50 Stuten decken, während beispielsweise Grelo, der Vater meines Hengstes und offensichtlich einer der viel genutzten Hengste inzwischen über 20 Jahre alt ist und lediglich 73 bei der Ancce eingetragene Nachkommen hat. Dazu kommt, dass die spanischen Hengste keine Zuchtzulassungsprüfung adäquat zur Hengstleistungsprüfung der Warmbluthengste (oder zur Rennleistung -GAG – der englischen Vollbluthengste) ablegen müssen. Dadurch fehlen auch hier Daten zur Rittigkeit, Leistungsbereitschaft oder zum Charakter. Mein Mann liegt mir schon seit Jahren in den Ohren, doch das Experiment zu wagen, unserem PRE-Hengst eine unserer Trakehnerstuten zuzuführen, aber ich möchte das eigentlich lieber nicht. Grund dafür ist unter anderen, dass ich die Mutter des gekörten PRE x Trakehner-Mixes kenne und feststellen musste, dass der Hengst eine Verschlechterung zu den Eltern darstellte. Auch die HLP schaffte er nur mit Ach und Krach. Er ist bildschön – keine Frage, aber er hat den knappen Schritt des Spaniers, den flachen Trab und die Galoppade der Trakehner Mutter und das Springtalent fehlt ihm auch gänzlich. Im Grundsatz bin ich auch ein großer Fan des Vollbluteinflusses in der Warmblutpferdezucht und habe selbst zwei englische Vollblut-Stutenfamilien in meiner Zucht, die ich hege und pflege (Familie der der Monarchs Pet xx E3F (Sauerwein-Glashütten und Familie der Favoritin E 16 I) und ich hatte einen Oldenburger Hengst von Akitos xx, aus einer Oldenburger Mutter. Die F1-Generatuin aus der Anpaarung von Vollblut an Warmblut ist oft für die Zucht interessanter, als für den Dressursport, weil sich der flache Trab, der „kratzende“ Galopp und der etwas tief angesetzte Hals des englischen Vollblüters gerne mal durchsetzt. In der F2-Generation erhält man aber meist sehr leistungsbereite Sportpferde für alle Disziplinen des Reitsports. Nun kann ich mir natürlich denken, dass eventuell der züchterische Gedanke dahintersteht, dass der PRE den Hals höher rückt, den Trab und den Galopp mit mehr Aktion versorgt und das Fohlen insgesamt mehr Linie bekommt und mehr ins Rechteck gerückt wird. Die Idee kann ich nachvollziehen, aber würde dieses Pferd nicht dann wieder dem Deutschen Sportpferd entsprechen, das wir ja im Grundsatz schon haben? Und was ist, wenn die Vollblutstute und ihre Rennpferdahnen sich durchsetzen (nicht zu vergessen ist, dass 60% des Erbgutes von der Mutter weiter gegeben werden) und der „Vollblut-Andalusier“ den flachen Galopp und Trab erbt, den knappen Schritt vom Papa mitbekommt? Dazu kommt, dass ich nach 35 Jahren mit zahlreichen Halbblütern immer wieder feststellte, dass sie sehr viel sensibler als ein Vollblüter sind und die meisten Reiter mit ihnen gerne mal ein bisschen überfordert sind. Alles in Allem würde ich das Experiment eher nicht machen wollen – es sei denn, Du erfüllst Dir damit den Traum vom Nachkommen aus Deiner Stute, den Du für Dich behältst – egal, was dabei rauskommt, denn so ein Pferdchen wird beim Verkauf weder für den Sportreiter, noch für den Freizeitreiter interessant sein. Aber es gibt ja von den Warmblutverbänden immer auch die „Pony- und Exoten-Zuchtbücher“ (wie bei den Oldenburgern das Pferdestammbuch Weser-Ems) und in die könnte das Fohlen – vorausgesetzt die Eltern sind beide dort eingetragen – auch eingetragen werden.

  • Avatar Ginger sagt:

    So weit ich weiß gibt es wohl für die PRE-Mix auch ein Zuchtbuch. Müsste ich aber erfragen wie das genau heißt. Nur reinrassige PRE werden beim ANCCE eingetragen. Bzgl. Zuchleistungsprüfungen muss ich aber Elchbine wiedersprechen. Die Hengstleistungsprüfungen gibt es, aber in anderer Form. Dort sind es die Morphologie-Prüfungen. An der Hand und unter dem Sattel. Dort werden auch die Pferde sowohl vom Gebäude, Gangwerk, Rittigkeit usw. beurteilt entsprechend ihrer Altersklasse bzw. Prüfungsklasse. Bei meinem Buben z.B. sind da sehr genaue Beschreibungen beim ANCCE hinterlegt und es gibt bei ettlichen Shows inzwischen auch Video-Dokus von jedem Pferd.

  • Avatar Aragon sagt:

    Na, die Idee ist ja keineswegs neu, die Spanier züchten ja schon seit vielen Generationen die „Tres Sangres“, also „Dreiblüter“ mit PRE, Vollblut und Araber oder eben auch nur PRE X Vollblut (Dos Sangres) für die Doma Vaquera. Für diesen Sport sind die reinen PRE meist zu behäbig und langsam. EIn eigenes Zuchtbuch haben die aber meines Wissens nicht.

  • Avatar littlesheep sagt:

    Nur mal so als Gedanke – ich kenne einige PRE (bei uns am Stall) und vom Gangbild her gefällt mir keiner davon so wirklich. Wenn schon Iberer mit Warmblut oder Vollblut kreuzen, weil man die Barockpferde mag – dann würde ich je nach Muttertyp eher zu einem Lusitano oder Andalusier tendieren.

  • Avatar Aragon sagt:

    Was soll denn in diesem Zusammenhang ein „Andalusier“ sein? Andalusier sind „Pferde, die vermutlich aus Spanien stammen, aber keinen Abstammungsnachweis haben“.

  • Avatar littlesheep sagt:

    Spielt doch keine Rolle in Bezug auf die Fragestellung, da es sich ohnehin um einen Mix handeln würde, der dann sog. „halbe Papiere“ bekommen könnte. Der spanische Verband würde das Zuchtergebnis ohnehin nicht anerkennen, ebensowenig die Vollblüter – insofern eher in Richtung ZFDP. Da die Mutterstute Papiere hat, ist dann „egal“, ob der Vater ebenfalls welche hat. Daher dann lieber etwas mit Bewegungspotential, da sowohl PRE als auch Vollblüter (natürlich nicht alle!) tendenziell nicht unbedingt Bewegungskünstler sind, sondern vielfach zu flachen Gängen neigen.

  • wurm wurm sagt:

    Sofern der Hengst gekört ist, die Stute eingetragen kannst du bei manchen Verbänden papiere bekommen. Ich hatte mal nachgefragt, es kostet halt einiges an Geld. Deine Stute meldest du dort direkt beim Verband, vom Hengst musst du die Kögungspapiere beibringen, musst du alles zahlen. Eingetragen wird dann meist als „Reitpferd“ oder so.

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