kastriert und trotzdem noch Bedenken..

By Frau Olsen | Archiv: Haltung und Pflege

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Ihr Lieben,

ich möchte Euch gerne mal unsere Situation schildern und nach Euren Erfahrungen fragen.

Noch vor kurzem hatten wir uns hier in einem Fred darüber ausgetauscht, inwieweit es möglich ist, Hengste zusammen im Offenstall zu halten. Es gab sehr verschiedene Meinungen und Erfahrungen dazu. Ich selbst gehörte zu der Fraktion, die aufgrund entsprechender Erfahrungen zutiefst davon überzeugt war, dass Hengste zu vergesellschaften sind, wenn sie im Offenstall mit viel Platz gehalten werden und durch die Bewegungsmöglichkeiten ein entsprechend ausgeglichenes Leben führen können. So hatte ich es erlebt – mein damaliger Hengst, zusammen mit Wallachen, bis heute nie ein Problem. Die Kombination mit einem anderen Hengst war mir dann allerdings auch zu gefährlich und ich habe der sehr netten Einstellerin 😉 abgesagt. Und statt dessen zum 1. Juli einen 11jährigen Freiberger Wallach einziehen lassen. Ein zweijähriger Mix war schon die ganze Zeit mit Ole zusammen (also seit beide am 1. April in den neuen Stall eingezogen sind) – die verstehen sch super, waren vom 1. Tag an zusammen, war von Anfang an sehr entspannt. Ole ist Anfang Mai 3 geworden, zum Zeitpunkt meines Berichtes noch Hengst.

Tja, und was dann geschah:

Wir haben den neuen erst mal 3 Tage auf der Koppel getrennt und am 4. Tag dachten wir – worauf sollen wir noch warten?
Es war ruhig und Stress war aus unserer Sicht nicht zu erwarten. Wir haben am frühen Morgen die große Wiese aufgemacht und dann wurde erst mal gerannt. Ole ist ab und an auf den Freiberger aufgesprungen, der sich kaum gewehrt hat. War nicht toll, aber auch nicht gefährlich und hörte nach ca einer dreiviertel Stunde ganz auf.
Den ganzen Tag saß ich da und habe alle beobachtet – alles war super entspannt, haben sogar alle drei meistens zusammen gestanden zum Grasen. Auch in den Stall sind sie mehrmals alle zusammen gegangen, auch da alles ruhig.

Am Abend dann ist Ole von einem Moment auf den anderen plötzlich ausgerastet.
Genau das, was ich schon oft gehört, aber noch nie erlebt hatte und auch nicht so recht glauben konnte, ist passiert:
Absolut unvorhersehbar, völlig unkalkulierbar und ohne jeden für uns erkennbaren Grund ist mein Pferd aggressiv geworden und hat den anderen richtig fertig gemacht. Bei einem verzweifelten Versuch sich zu wehren, ist der Freiberger mit einem Hinterbein irgendwie an Oles Wiederrist hängen geblieben und daraufhin gestürzt.
Er lag am Boden und starrte den aufgebrachten Ole an, der, anstatt endlich von ihm abzulassen, zum finalen Sprung auf den Wallach ansetzte. Das ging alles sehr schnell und dauerte genau so lange wie die Einstellerin brauchte um sich schnell eine Longierpeitsche zu schnappen und zu den beiden hin zu rennen. Als Ole grade auf den am Boden liegenden Wallach draufspringen wollte, war sie grade rechtzeitig da, um brüllend mit der Peitsche so dazwischen zu gehen, dass Ole ihn grade so nicht treffen konnte. In dem Moment kam ich dazu (musste mal kurz für eine halbe Stunde weg) und der Wallach nutzte seine Chance um aufzustehen und abzuhauen.

Wir haben beide natürlich sofort getrennt und waren ziemlich geschockt von dem für uns nach der entspannten Ruhe des ganzen Tages absolut unvorhersehbaren Ereignis.
Ich denke, so wie mein Pferd in dem Moment drauf war – wenn niemand dazwischen gegangen wäre, er hätte ihn sicherlich schwer verletzt oder sogar umgebracht.

Am nächsten Morgen habe ich den Wallach in einen anderen Stall gebracht und Ole wurde kastriert.

Ich hätte ihm die Eier gerne gelassen, weil er im Umgang (mit Menschen, auch Kindern) absolut brav und wohlerzogen ist, wusste aber immer, dass die Klöden kommen, wenn es Probleme gibt, auch mit der Gruppenhaltung.

So im Nachhinein kommen mir aber nun Zweifel daran, ob wirklich die Hormone für sein Sozialverhalten verantwortlich sind.
Weil ich mich an verschiedene andere Situationen aus der Vergangenheit erinnere:

Bei unserer ersten Begegnung war er vier oder 5 Monate alt und es war eher witzig, dass er öfter mal versucht hat, Vater, Mutter und die anderen in seiner kleinen Familienherde zu besteigen. Heute frage ich mich, ob das vielleicht sowas wie angeborene Dominanz ist, übermäßiges Selbstbewusstsein schon von Kindesbeinen an sein kann, hormonunabhängig..

Mit 7 Monaten kam er zu mir und lebte im Offenstall einer Freundin mit einem gleichaltrigen Kumpel und zwei Großen.
Nach einem halben Jahr zog ein drittes Fohlen ein. Den wollte er vom ersten Moment an wirklich umbringen.
Ich war damals sehr entsetzt über sein aggressives Verhalten, was er eben schon damals im Umgang mit Menschen so gar nicht hatte. Es war nicht mal möglich, die drei Fohlen getrennt zu halten.
Nach drei Tagen habe ich meinen kleinen Hengst zur Aufzucht in eine große Herde gebracht. Er war noch kein Jahr alt und sollte lernen, sich anderen Pferden unter zu ordnen.
Dort hatte er die letzten zwei Jahre ein paradiesisches Pferdeleben – zusammen mit 20 anderen Pferden, auch alten, die die jungen erziehen.
Ich konnte ihn nur ein mal im Monat besuchen – es war recht weit weg, aber er wurde sehr gut versorgt und der Platz war toll.
Leider hat sich aber meine Befürchtung bestätigt, dass er sich hochgearbeitet hat.

Abgeholt habe ich ihn am 1. April nach zwei Jahren als unangefochtenen Chef der ganzen Herde.

Meine Überlegung bzw. Befürchtung ist, dass die Kastration sein Verhalten vielleicht nicht ändert, dass das hormununabhängig ist.
Die Kastration ist zwar erst zwei Wochen her, aber noch rastet er aus, wenn sich andere Pferde (z.B. Geländereiter) nähern. Die Tierärztin meinte nach ca 8 Wochen sind die Hormone weg. Verschwindet im Normalfall dann auch solches Verhalten oder dauert das eher länger?

Hat von Euch jemand vielleicht sein Pferd aus ähnlichen Gründen kastriert und hat das die Probleme gelöst?
Mein kleiner Stall braucht eine harmonische Gruppe von 3-4 Pferden. Noch sind wir zu zweit, aber ich brauche dringend noch einen Einsteller.
Und habe keinen Schimmer, wann ich einen nächsten Versuch wagen könnte. Nach 8 Wochen, drei Monaten, einem halben Jahr, oder noch später…?
:nix: :nix: :nix:

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