Meine Mutter

By Talimeth | Nachruf

Liebe Freunde,

Gestern nachmittag verstarb meine Mutter. Es war mir deutlich, dass es ihr leztes Weihnachtsfest werden würde. Nachdem ich ihr Haus renoviert hatte, damit sie mit ihrer Betreuerin einziehen konnte, was im August geschah, wollten wir noch einmal ein richtiges Weihnachtsfest feiern.

Am Heiligen Abend brannte unser Weihnachtsbaum. Sie fühlte sich zu schwach, um noch nach dem Gottesdienst zur Bescherung zu kommen und so verlegten wir das Ganze auf den nächsten Vormittag. Da sie immer fror hatte ich für sie einen wunderschönen Pullover gekauft. Ich hatte gehofft, dass wir noch einmal essen gehen könnten, in den Weihnachtszirkus oder an das Karlsruher Reitinstitut, dem sie immer eng verbunden war.

Heute trug sie den Pullover und ihre Betreuerin nahm sie auf einen Miniaturspaziergänge einmal um das Haus zur Garage und zurück. Plötzlich kam sie in mein Arbeitszimmer und bat michum Hilfe, da meine Mutter nicht mehr ohne Hilfe zurückkommen könne. Als ich vor das Haus kam, war sie schon ncht mehr bei Bewusstsein. Eine Passantin rief sofort den Notarzt.

Bei den Versuchen der Wiederbelebung wurde auch der Polluver aufgeschnitten. Aber auch der Notarzt konnte nichts mehr machen.

Ihre Hausschuhe stehen noch neben ihrem Sofa. der zerschnittene Pullover liegt noch im Foyer.

Meine Mutter war eine Pferdefrau durch und durch. Ihr Großvater, von ihr immer als “Opchen” bezeichnet, hatte immer ein Pferdegespann. Seine Bockdecke war noch lange Zeit vorhanden. Mein erstes Turnier dürfte das Wiesbadener Pfingstturnier 1962 gewesen sein, das ich alledings nur als Embryo erlebt habe. Als ich fünf war, entschied sie, dass ich auch etwas mit Pferden zu tun haben sollte. Also schlug sie das Branchenadressbuch auf. Da sie etwas gegen Vereine hatte, blieb dann nur ein Reitinstitut irgendwo im Nordwesten von Karlsruhe. Als ich denn dann an der Hand meines Vaters dort zwischen Reitplatz und Reithalle entlangging, konnte er mich gerade noch zur Seite ziehen als der Hausherr, Egon v. Neindorff, mit einem Rappgespann etwas sehr schwungvoll dort gerade einfuhr. Später saß sie mehrmals wöchentlich neben Neindorff und verfolgte das Training der Pferde. Sie selbst war eine talentierte Reiterin, die es verstand, die Pferde aus dem Sitz heraus zu reiten. Eine Anekdote hat sich einmal so zugetragen. Meine Mutter wollte eine Stute zum Reiten fertigmachen. Sie ging also mit Sattel und Trense in die Box, in der sie das Pferd vermutete und trenste und sattelte es. Die Bereiter staunten nciht schlecht über das aufgetrenste und aufgesattelte Pferd, denn dieses Pferd war nicht etwa die Stute, sondern eine neu aufgestallte Remonte, die bisher erfolgreich sich gegen alles Satteln und Trensen gewehrt hatte.

Später war sie eine Beobachterin des gesamten reiterlichen Geschehens. Über ein Vierteljahrhundert reiste sie jeden Sommer zum CHIO nach Aachen. Kein Gastspiel der Spanischen Hofreitschule in Deutschland ohne dass sie es ausgelassen hatte. Der letzte besuch war in Paris 2008 zum Auftritt der vier Reitschulen. Noch später beobachtete sie die ganz verschiedenen Geister, die sich in der nun enstehenden neuen klassisch-barocken Reiterei tummelten. Vieles sah sie distanziert und kritisch.

Abbauende Kräfte machten es ihr immer schwerer, die Dinge vor Ort zu verfolgen. schon schwer krank war sie 2010 noch auf der Eurocheval in Offenburg, auch eine Ausstellung, die sie von Anfang besuchte.

Etwa die Hälfte ihres Lebens drehte sich um die Pferde.

Talimeth

(52) comments

Add Your Reply
>