Pflege Krebspatient im Endstadium

By ambra | menschliche Leiden

Hallo,

ich hatte es schon mal erzählt, mein Vater stirbt an Leberkrebs.

Therapieren kann man leider gar nichts mehr, wir schauen also zu, wie er jeden Tag “ein bisschen weniger wird”.

Also, ich erzähl einfach mal…

Bis Anfang September lief es noch halbwegs gut, die spezielle Chemo hielt das Wachstum im Griff (soweit man es kann) und die Nebenwirkungen der Chemo hielten sich im erträglichen Rahmen (d.h. es ging ihm sch… aber es hätte auch noch schlechter sein können).
Ab Mitte September verschlechterte sich der Zustand täglich bis hin zum akuten Nierenversagen, da wäre er fast das erste Mal gegangen. Durch gutes medizinisches Management konnte er sich wieder berappeln, die Nierentätigkeit ist im erträglichen Bereich. Aber er war komplett immobil, d.h. bis auf Toilettengänge und einfaches Aufsitzen lag er im Bett. Geringste Anstrengungen warfen ihn total aus der Bahn.
Ok, den Zustand konnten wir noch mit Pflegedienst, palliativen Pflegedienst, Haushälterin und uns zu Hause bewältigen.

Der nächste Rückschlag liess nicht lange auf sich warten. Er wurde immer schlapper und nach dem wir auf eine vorzeitige Blutuntersuchung gedrängt hatten, bestätigte sich mein Verdacht, hochgradige Anämie, das erklärte auch den verschlechterten Allgemeinzustand.
Kaum bin ich drei Tage beruflich im Ausland, weist die Hausärztin (die dumme Nuss) meinen Vater ins örtliche Dorfkrankenhaus ein. Wir hatten bereits im Vorfeld immer angewiesen, dass er in die Uniklinik muss oder wenn diese belegt ist, ins nächste Krankenhaus mit Palliativstation soll.
Im Krankenhaus legte man ihn aufgrund von Bettenknappheit in ein 4-Bett-Zimmer mit 2 Demenzkranken, es war der Horror pur und binnen 24 Stunden sah er aus wie der leibhaftige Tod auf Beinen… Meine Mutter ein Nervenwrack und die Klinik schaltete auf Stur, nix anderes Zimmer, einer Verlegung in die Uni wollte man nicht zustimmen… Ich legte meinen Flug um und erschien persönlich in der Klinik, siehe da mit ein wenig Brüllen und Nerven, wurde er binnen 2 Stunden in die Uniklinik verlegt. Abends gönnte ich mir eine Pulle Rotwein…
In der Uni dann die schlechten Nachrichten, Metastasen im Magen… ok, eigentlich keine grosse Ueberraschung, dass der Primärtumor gestreut hat, aber wenn es soweit ist, dann trifft es einen trotzdem.

Chemo wurde bereits vor Wochen wegen des schlechten Allgemeinzustands abgesetzt… Metastasen folgten wie erwartet.

Die Anämie hat ihm sichtlich den Rest gegeben… seine Höchstleistung ist, wenn er sich von alleine Aufsetzen kann und mit Hilfe auf die Toilette kommt. Besser wird es nicht mehr werden, er wartet eigentlich nur noch auf den Tod.

Schlimmer als die eigentliche pflegerische Seite ist es, über den Tod und die Zeit danach zu reden. Sowohl mit meinem Vater, der seinen Tod akzeptiert hat und mittlerweile schon fast ruhig ist, als auch mit meiner Mutter, die es gar nicht begreift und auch nicht begreifen will…
Als Kind mutiert man zum Verantwortlichen für die eigenen Eltern, ein schleichender Prozess in den man irgendwie reinwächst.

Aktuell haben wir eine 24-Stunden-Pflege beauftragt, da meine Mutter alleine meinen fast 2-Meter-Vater nie und nimmer bewegen könnte. Das Gästezimmer wird bezogen und das Gästebad hergerichtet.

Ich fühle mich wie in Watte und erledige die anfallenden Arbeiten roboterhaft.
Es wäre einfacher, wenn wir weiter kämpfen könnten, aber einfach so dieses Warten auf den Tod macht einen fertig.
Dann die vielen fremden Menschen im Haus…

Ich wollte nur mal eine Runde jammern…

Sabine

(221) comments

Add Your Reply
>