Hufrehe durch Cushing Syndrom – Erfahrungsbericht

By testadmin | Hufe, Hufrehe, spez. Beschläge etc.

Hallo Zusammen,

aus gegebenem Anlass möchte ich Euch über meine Erfahrungen mit dieser Krankheit berichten.

Unser Pferd (er gehört eigentlich meinem Mann) ein 28-jähriger Holsteiner Hengst bis dato kerngesund und voll belastbar bekam vor 2 Monaten einen Hufrehe-Schub. Der sofort alarmierte TA spritzte umgehend Finadyne und blutverdünnendes Heparin. Weiterhin wurden seine Hufe mit einem Polsterverband umwickelt. Findadyne wurde als Toxinblocker mit schmerzlindernder Wirkung bezeichnet.

Auf der Suche nach der Ursache (Überfütterung und Eiweißüberschuß lagen zu keinem Zeitpunkt vor) bekamen wir den Tipp, dass er evtl. Cushing hat. Wir hatten bis dahin noch nichts von dieser Krankheit gehört und recherchierten sofort im I-Net. Bei den Merkmalen für Cushing vielen uns sofort mehrere Übereinstimmungen auf. In unserem Fall sind es: Wiederholter Rehe-Schub (er hatte vor 3 Jahren schon mal einen schwachen), extrem langes Fell im Sommer, das Winterfell wird garnicht mehr abgeworfen (fiel niemandem auf, weil wir ihn mehrmals im Jahr komplett geschoren hatten), Fettablagerungen in Hals und Kruppe (fiel auch nicht weiter auf weil er ja Hengst ist), extrem schlecht heilende Mauke-ähnliche Erkrankung an einem Hinterbein.

Weil alle diese Merkmale für ein Cushing-Syndrom sprachen, verzichteten wir auf einen Test und begannen sofort mit der Gabe von Pergolid, was laut TA das Mittel der Wahl ist.

Jetzt mußten wir aber noch die Hufrehe in den Griff bekommen. Hierzu wurde über 2 Wochen Heparin 2x tgl. i.M. gespritzt. Die ersten Tage Boxenruhe. Bei Röntgenaufnahmen der beiden vorderen Hufbeine war bereits eine leichte Senkung ersichtlich. Wir beteten, dass sie nicht weiter rotierten. Es ging ihm in den ersten Tagen wirklich nicht gut. Und wir wurden mit der Frage konfrontiert: Einschläfern oder warten?

Wir haben uns für unser Pferd entschieden. Er ist seit 25 Jahren im Besitz meines Mannes und war nie wirklich krank gewesen. Außerdem machte er zwar einen etwas gequälten Eindruck, aber er hat nie aufgegeben. Er wollte leben und er schien uns völlig zu vertrauen, dass wir ihm helfen. Er wurde nicht apatisch und fraß auch noch unbeirrt weiter. Also warteten wir! Als er uns zu verstehen gab, dass er aus der Box möchte, haben wir ihn 5 – 10 Min. auf weichem Hallenboden geführt. Es wurde besser!

Ach ja, nachdem er 2 oder 3 Tage nur Heu bekam, fütterten wir 3 x täglich eine Handvoll Rübenschnitzel mit Fructalose gemischt (dient der Abführung) allerdings wollte er nach 2 Tagen an die Schnitzel nicht mehr ran und wir haben ein Rehe-Futter (Re-Vital von Eggersmann) gefüttert.

Dann haben wir noch den Beschlag geändert. Wir entschieden uns für eine Lederplatte zwischen Huf und Eisen. Daraufhin wurde es wieder schlechter. Deshalb haben wir jetzt ein Alu-Eisen mit einem V-Steg unter dem Strahl aufnageln lassen, die Zehe wurde “gekappt” und freischwebend ausgeschnitten und die Trachte gekürzt.

Seit dem läuft er immer besser.

Das Re-Vital schmeckt ihm jetzt seit einer Woche auch nicht mehr und wir mußten wieder eine Alternative suchen. Er bekommt jetzt Vito von Deuka.

Laut TA wird er immer ein Pflegefall bleiben, er darf nur noch Diät-Futter bekommen, Weidegang nächstes Jahr nur noch vorsichtig, sowie tägliche Gaben von Pergolid bis ans Ende seiner Tage. Ob er jemals wieder reitbar wird, werden wir sehen. In 3 Monaten werden wir nochmal röntgen, um zu sehen wie weit die Hufbeinsenkung fortgeschritten ist.

Einen Bluttest haben wir zwischenzeitlich auch machen lassen, um ein Organversagen rechtzeitig feststellen zu können. Hier waren alle Werte ok, bis auf einige kleine Abweichungen, die nicht weiter ins Gewicht fallen und wir durch Mineralfuttergaben ausgleichen können.

Zeitgleich mit unserem Pferd, hatte ein weiteres Pferd bei uns im Stall auch Hufrehe durch Cushing und mußte daraufhin eingeschläfert werden.

Wer ebenfalls Erfahrungen mit Cushing-Syndrom gemacht hat kann gerne hier berichten. Denn: Hätten wir von dieser Krankheit gewußt, hätten wir mit der Gabe von Pergolid diesen Rehe-Schub verhindern können!

Gruß

petit_Noir

(3) comments

Add Your Reply
>