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So, jetzt weiß ich nicht, ob ich hier richtig bin, aber sonst halt verschieben.

Folgendes: Nach einem Jahr gezwungenermaßenem Kampfreiten versuche ich mich jetzt reitmäßig zu rehabilitieren. An sich klappt das auch ganz gut. Ich reite zwei Pferde RB-mäßig für eine Bekannte, die wenig Zeit hat, und nehme mit beiden an freien Tagen auch kompetenten RU.

Im vorigen Jahr bestand meine Reiterei (nicht freiwillig!) aus Schlaufzügeln und rumkämpfen mit den Pferden, weil die schon vorneherein keine Lust hatten… kann ich auch verstehen bei der Reiterei, aber der Chef wollte das so und das war keiner, dem man widersprach. Die Quittung hab ich bekommen, indem ich natürlich stockvoll durch die Prüfung gerasselt bin, mal davon abgesehen, dass ich beim Reiten viel ängstlicher geworden bin als ich früher war, weil die Pferde sich das Gereit natürlich nicht alle gefallen lassen haben…

Wie dem auch sei, den Chef bin ich los und im neuen Job reite ich kaum, sodass ich mich erstmal auf „meine“ beiden konzentrieren kann.
Die beiden Pferde sind auch nicht ganz einfach. Der Rappe, 17, WB, hat von Haus aus einen leichten Knall im Kopp. Einerseits kann er furchtbar stark werden und ist auch fein geritten gerne mal maulig (auch auf dem Paddock oder in der Box hängt er gern die Zunge raus), das ist bei ihm leider normal. Seine Vorgeschichte besteht darin, dass er acht Jahre lang mit allem möglichen Quatsch durchgekommen ist, sodass sich manche Verhaltensmuster gefestigt haben. Daher muss man auf der einen Seite streng sein und seine eigene Position des öfteren mal verteidigen. Andererseits – und das ist der Punkt, der mir schwerfällt – ist er auch sensibel. Wenn zuviel Druck gemacht wird, zeigt er das ganz deutlich und schießt den Reiter im Notfall auch mal ab. Da verpasse ich oft den Punkt, rechtzeitig zum Entspannen zu kommen, sodass er wieder zufrieden wird. Reiterlich fällt es mir schwer, ihn vernünftig vor mich zu bekommen. Er ist eher phlegmatisch und kein Arbeiter, und legt sich ganz gern auf die Hand oder schüttelt mit raushängender Zunge mit dem Kopf. Da kommt bei mir dann immer wieder die Kampfreiterei durch, aber leider ist das natürlich genau das Falsche und er wird maulig und missgelaunt.
Der Braune ist ein achtjähriger Araber, der klassisch dressurmäßig ausgebildet wurde (ca. L-Niveau) und an sich sehr rittig ist. Er hat arabertypisch eine hohe Grundspannung und springt gerne mal weg, wenn er eine Gelegenheit kommen sieht. Auch bei ihm werde ich gerne zu hart in der Hand. Er wehrt sich nicht in dem Sinne wie das andere Pferd, aber er wird einfach sehr spannig, wenn ich nicht zum Nachgeben komme.

Nach der missglückten Lehre habe ich über den Winter eine dreimonatige komplette Reitpause eingelegt, da kamen mehrere Faktoren zusammen (keine Halle, Ausreiten im Dunkeln nach der Arbeit ist auch nicht so prickelnd, meine Eisglätte-Phobie nach mehreren Stürzen mitsamt Pferd und die Tatsache, dass die RL im Winter mehrere Wochen ausgefallen ist und die Pferde nur am Wochenende bewegt hätten werden können, drauf waren wie Messer und ich mir das in dem Moment einfach nicht antun konnte). Im Frühjahr hab ich das Reiten wieder angefangen, um diese Garrocha-Show mit einem Schulpony mitzureiten, und es hat schon grundsätzlich besser geklappt als im letzte Jahr. Trotzdem bin ich weit von dem entfernt, was ich erreichen will.

Mir fällt es schwer, da im Kopf für mich freier zu werden und einfach „netter“ zu reiten. Ich reite meistens dressurmäßig. An Springen ist nach dem Jahr nicht zu denken, da wurde ich vom Ausbilder gründlichst versaut und „springe“ im Moment höchstens über am Boden liegende Stangen. (Ihr wollt nicht wissen, wieviele Beruhigungsmittel ich für diesen Parcours in der Bereiterprüfung gebraucht habe trotz absolut bravem ehrlichem Pferd!)
Was mich an dem Meisten wirklich ärgert, ist, dass ich alles schonmal konnte – sensibel reiten, das Pferd vor mir halten etc. und mir das gründlich versaut wurde. Habt ihr irgendwelche Tipps, Anregungen, Buchvorschläge, wie ich mich da selbst besser ändern kann? Ich versuche mir beim Reiten ständig zu sagen, dass ich netter sein muss etc, aber es fällt einfach schwer, solche reingeprügelten Verhaltensmuster mal eben abzulegen. Vor allem, wenn das Pferd auch gelegentlich einfach mal diskutiert.
Danke schonmal (auch dafür, dass ihr den Roman gelesen habt 🙂 )
Lg, papilio-niger.

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