Die gelben Schümmels

By küwi | Pferde ab 4 Jahre

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Um es vorwegzunehmen, wie ich zu meinen „Spezialmixen“ gekommen bin:

Ich hatte ewig nur Trainingspferde, denn „wozu ein eigenes, wenn so viele Pferde herumlaufen, wo ich fürs Reiten auch noch bezahlt bekomme“.

Dann bekam ich eines Tages im März 94 die Schwarze als Trainingspferd der Rosenburg, um mit ihr bei den Vorstellungen in einer historischen Falknerei mitzureiten. ( es sollte ein Schaubild einhändig auf Kandare im Damensattel mit einem Falken auf der Hand geritten werden 😀 )

Morella war eine wunderschöne ungarische Nonius Stute ( mit Vollblutmutter ) – und hatte mit ihren knapp 4 Jahren schon dermassen die Nase voll vom „Mensch“ wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Außerdem kannte sie vom ungarischen „Schulbetrieb“ nur ein Tempo: Volles Rohr voraus, sobald der Sattel den Rücken berührt.
Außerdem hatte ich von dem „Herzchen“ x mal gebrochene Zehen, Bisswunden am ganzen Körper, den Huf im Gesicht, knapp neben dem Auge ( am Vortag des Begräbnisses meiner Mutter… )
mit einem Wort: ein wirklich entzückendes Monster!

Nach ein paar Monaten Training konnte ich sie dann schon gebisslos ausreiten, den mit Gebiss ging sie nur noch schneller und unkontrollierbarer, sobald auch nur der geringste Druck im Maul war.
Der Besitzer nahm sie mir dann für ein paar Monate weg ( „hast wohl Angst vor ihr…“ )
Und als ich ihn im November nach dem Biest fragte, meinte er, er würde sie wohl zum Schlachter bringen müssen, da sämtliche Versuche, sie zu reiten oder zu verkaufen fehlschlagen :S

Ich schlug ihm daraufhin vor, daß er sie mir wieder bringt, und am nächsten Tag war sie wieder bei mir ( für das halbe Geld, das er bezahlt hat 😀 ) – ich hatte immer schon eine masochistische Ader :ja:

Mein Entschluß war folgender:
Ich lasse sie im Frühjahr decken, bis dahin hat sie Narrenfreiheit.
Dann wird sie neu angeritten, wird sie reitbar, bis das Fohli 6 Monate ist, behalte ich sie und verkaufe das Fohlen. Wird sie nicht reitbar oder stellt weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, behalte ich das Fohlen, und fahre mit der Schwarzen zum Abdecker.

Als Vater für mein Traumfohlen kam nur mein damaliges Traininigs- und mein „Lebenspferd“, der Missouri Foxtrotterhengst Billy Bob´s Top C. in Frage. Der einzigartige Charakter der Hengstes, seine liebenswürdige Art, sein Leistungswillen, das gutmütige Wesen und nicht zuletzt sein Gangvermögen sollten die Schwächen der Mutter ausgleichen.

Morella wurde von mir zwar beim ÖPZV vorgestellt und mit einer Bewertung von 7,9 als ÖWB eingetragen, aber ich legte im Falle dieses Fohlens keinen wirklichen Wert auf Papiere. Den entweder es wäre ja mein Traumpferd – oder es würde am Hof des Hengstbesitzers ein neues Zuhause haben.

Morella brauchte seeehr lange und machte es uns nicht leicht. Es brauchte unheimlich viel Zeit, Geduld und know How, um sie mit Hilfe von Horsemanshiparbeit und einer ziemlich einzigartigen Reitweise wieder hinzubekommen. Ein 100% verlässliches Pferd wurde sie nur bei Reitern, die nichts von ihr wollten oder sie einfach so gehen ließen, wie sie wollte.
Bei Kinderreitstunden war sie eine Seele von Pferd und meinem Vater brachte sie mit 56 Jahren das Reiten bei 😀
Aber trotzdem blieb sie ein unberechenbarer heißer Ofen, der sogar am Tag vor der Geburt ihres Fohlens noch im Gelände losraste und ihren Galopp auf den Hügel einforderte ( obwohl es als Schrittausritt für die Kids zum 1. April geplant war … die Kids hinter mir waren total begeistert, weil dann doch galoppiert wurde – und mir wurde unheimlich heiß auf dem bolzenden schwarzen Teil ohne Sattel und den Kids hinter mir 😀 )

Cuvee kam dann in der Nacht von 2. auf 3. April 1996 zur Welt. Trotz Nachtwache im 20 Minutentakt hat Morli die Geburt unbeobachtet geschafft und wir fanden mein kleines Wunderpferd im Stroh: „Billy´s großartige Mischung“, wie mein Vater, ein Weinhändler, die Kleine nannte.

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