Amulett – eine Herausforderung

By Amulett | Pferde ab 4 Jahre

Hallo Ihr Lieben !!!

Lust auf einen Roman???

Die ein oder anderen werden mich vielleicht noch kennen, ich habe vor ein paar Jahren schon einmal hier geschrieben.

Amulett ist eine jetzt fast 12jährige Halb-Trakehner Stute von Amelio aus einer Baryshnikov Mutter. Ich besitze sie seit 2005.

Damals habe ich sie 5jährig gekauft, angeritten, vorher hatte sie 2 Fohlen.
Ich dachte, dass ich mit ihr nach über 20 Jahren Reit-Erfahrung auf jeden Fall zurecht kommen würde und träumte von den großen Turnier-Erfolgen. Das Probe-Reiten in ihrem heimischen Stall verlief ganz ok, also kaufte ich sie.

Tja. Ich holte sie in einen Reitstall um dort mit ihr in der viel zu kleinen Halle trainieren zu können. Und sie zeigte mir, dass das was ich bisher gelernt hatte absolut nicht mit ihr zu vereinbaren war. Mein damaliger RL meinte nur, da müsse sie durch, sie wird sich an Deine Reitweise gewöhnen, aber so ein Sensibelchen gewöhnt sich niemals an diese “Hau- und Zieh-Methode, die mir bis dahin als richtig erschien. Ich wusste es einfach nicht besser.

Ich wechselte den Stall und den RL. Der kam mit ihr ganz gut klar. Leider hatte er mit mir nicht die Geduld, die man braucht um jahrelang eingeschlichene Fehler wieder zu beheben. Er setzte mich unter Druck, ich wurde nervös, das übertrug sich aufs Pferd, das lief schlecht, er machte noch mehr Druck ….. Ein Teufelskreis.

Hinzu kam, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr in der Lage war, sie aufzutrensen. Sobald das Genickstück der Trense die Ohren berührte war Schicht im Schacht. Die RL meinten, da müsse sie durch, einer hatte sie sogar am Boden fest gebunden damit sie nicht weg konnte. Es half natürlich nichts.

Es waren schon 3 Jahre vergangen und ich kam noch immer nicht wirklich mit ihr zurecht. Sie war nicht gefährlich, total ehrlich, kein bocken, kein steigen, kein durchgehen. Aber sie war immer verspannt und nervös. Und ich war es auch. Außerdem war mein Selbstbewusstsein derart am Boden dass ich überhaupt nicht auf die Idee kam selbst auch eine richtige Entscheidung treffen zu können.
Ich überlegte, sie zu verkaufen, brachte es aber nicht übers Herz.

Ich stellte sie dann in einen Offenstall, da steht sie heute noch mit 3 Schwarzwäldern und einem Isländer. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, meinem Pferd geht es gut, zumindest dann wenn ich nichts von ihr will.

Ich holte einen Physiotherapeuten, der sah sie sich an. Er meinte dann, das mit den Ohren, das käme von einer Art Headshaking, verursacht durch die Kriebelmücken. Einziger Kompromiss: Raus mit dem Stirnriemen aus der Trense, und die Trense komplett auf machen. Seit ich es so mache, die Unruhe schon vor dem Reiten also weg ist, geht es auch besser beim reiten.

Ich bekam wieder Mut, besuchte ein paar Centered Riding Kurse, zunächst auf fremden Pferden und legte mir einen Plan zurecht. Und den zog ich durch. Das war nämlich vorher ein ganz großes Problem: Sobald meine Stute auch nur mal den Rücken weg drückte oder mal für Sekunden eng wurde hörte ich sofort auf mit den was ich tat, dachte es sei falsch und ich mache mein Pferd kaputt. Und das – gar nicht dumm – wusste schnell wie sich mich dazu bringen konnte sie in Ruhe zu lassen.
Mittlerweile reite ich drüber hinweg. Und siehe da, es klappt meistens.

Ich habe mir selbst den Druck genommen. Ich reite dann, wenn ich Lust dazu habe und nicht weil ich glaube dass ich muss. Ich longiere auch mal oder mache einfach nur ein bisschen Bodenarbeit. Und ich habe kein Problem damit ihr auch mal ein paar Wochen nur Offenstall zu gönnen wenn es mir zu stressig ist.

Der Stand heute:
Mein Pferd ist, obwohl jetzt schon 12, nicht in der Lage eine gescheite A-Dressur zu laufen. Aus Angst alles falsch zu machen habe ich mir angewöhnt grundsätzlich nur leicht zu traben, Galopp nur im leichten Sitz, und anders geht es derzeit noch nicht. Aber ich arbeite dran.
Gelände geht derzeit nicht, alleine ist sie mir zu nervös und bisher hatte ich kaum Mit-Reiter. Das wird sich in diesem Jahr aber ändern so dass ich denke, dass wir bald wieder ins Gelände reiten werden.
Ich hätte gerne mal ein paar Lehrgänge besucht. Fakt ist derzeit aber, dass sie sich erstens zwar tadellos verladen lässt, aber nicht alleine ruhig steht sondern versucht, den Hänger zu zerlegen. Mit Zweitpferd geht es aber super. Allerdings hat sie große Probleme in fremden Ställen, ist wahnsinnig nervös und hibbelig, und da die Lehrgänge ja oft nur ein Wochenende dauern kommen wir kaum in einen Zustand in dem wir auch was lernen könnten. Deshalb habe ich mit ihr auch bisher nur einen einzigen Centered-Riding-Lehrgang besucht, der aber wegen ihrer Hyper-Nervosität nicht viel gebracht hat.

Nicht viel, ich weiß.

Derzeit haben wir Winterpause, aber ich bin fest entschlossen dieses Jahr wieder mehr mit ihr zu machen. Im letzten Jahr hatte ich leider wenig Zeit für sie, und das bisschen ging drauf für Stallarbeit (bin Selbstversorger) und hin und wieder reiten auf dem kleinen Reitplatz oder auf der Koppel.

Mein Ziel:
Wieder ausreiten, es muss nicht alleine sein, aber entspannt.

Da ich alle Turnier-Ambitionen über Bord geworfen habe bin ich offen für neues, gerade im Freizeit-Bereich. Deshalb hoffe ich hier, Anregungen zu finden und mich ein bisschen auszutauschen.

So – und hier ein paar Fotos:

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