Albtraum ohne Erwachen

By Whoopi | Augenkrankheiten

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Am 12. März bemerkte ich abends beim Putzen, dass das rechte Auge meiner Stute „kleiner“ aussah als das linke. Eine genaue Inspektion ergab keine weiteren Auffälligkeiten, es tränte nicht, die Bindehäute waren nicht gerötet und nicht geschwollen, die Hornhaut sah mit bloßem Auge unversehrt aus. Sie ließ mich auch in aller Ruhe schauen, es schien ihr nicht weh zu tun. Am nächsten Morgen sah das Auge normal aus.
Übers Wochenende traten die „Symptome“ wieder auf woraufhin ich Montags den Haustierarzt anrief. Der machte einen Fluoreszintest, leuchtete mit der Taschenlampe ins Auge und erklärte mir mein Pferd habe sich gestoßen. Sie habe eine Eintrübung der Hornhaut und Gefäßeinspriessung auf ein Uhr, nichts wildes, das würde innerhalb von 10 Tagen wieder abheilen. Ich bekam Isoptomax Salbe mit der Anweisung, diese drei mal täglich zu verabreichen was ich auch brav befolgte.
Das Auge wurde zwei Tage lang besser dann schlechter. Sie kniff es jetzt sichtbar zu und die Bindehäute waren rot und geschwollen. Zum ersten Mal fing ich ich an mir Sorgen zu machen und rief wieder den Tierarzt. Erneuter Fluoreszintest und Spaltlampenuntersuchung ergaben das gleiche Ergebnis wie die letzte Untersuchung. Vermutlich eine Unverträglichkeit der Salbe, ich bekam Dexa Gentamicin und die Empfehlung das Auge mit einer Fliegenmaske abzudunkeln. Gesagt getan, innerhalb von fünf Tagen war das Auge beschwerdefrei. Bei der Kontrolluntersuchung war keine Trübung mehr zu erkennen.
Ich schlich die Salbe über eine Woche aus, nach zwei Tagen ohne Salbe sah das Auge schlimmer aus denn je. Ich beschloss in die Klinik zu fahren.
Die Untersuchung in der Klinik (nochmal Fluoreszintest, Spaltlampenuntersuchung nach Weitstellung der Pupille) ergab eine inzwischen massive Gefäßeinspriessung auf ein Uhr und diverse kleinere Trübungen der Hornhaut. Ausserdem wurde eine Verflüssigung des Glaskörpers festgestellt. Es wurden Tupferproben entnommen und mir wurde erklärt dass die Ursache des Problems vielfältig sein könne. Um nur die angsteinflössensten zu nennen, dabei waren Hornhautentzündung durch Viren oder Bakterien und Periodische Augenentzündung. Als erstes musste mal auf das Laborergebnis gewartet werden. Ich bekam einen Termin in vierzehn Tagen und mein Pferd ein Kortisondepot unter die Bindehaut, alle zwei Tage Atropintropfen und zweimal täglich Optimmune Salbe.
Nach zwei Wochen war mein Pferd beschwerdefrei. Das Labor hatte keine Viren oder Bakterien gefunden, die Trübungen waren verschwunden, die eingesprossenen Gefässe nicht mehr durchblutet. Ich wurde angewiesen Atropin und Optimmune abzusetzten, das Kortisondepot wurde nochmal erneuert damit die Gefässhüllen sich zurückbilden und auf keinen Fall wieder durchblutet würden. Ich wurde angewiesen das Pferd wieder vorzustellen wenn die Pupille nach Abklingen der Wirkung des Atropins wieder normal seie, dann würde auch das weitere Vorgehen wegen einer möglichen periodischen Augenentzündung besprochen.
Eine Woche später zieht mein Pferd sich über Nacht auf diesem Auge eine große Hornhautverletzung genau in der Mitte des Auges zu. Ich packe sie kurzerhand ein und fahre direkt in die Klinik. Der Tierarzt ist nicht gerade begeistert, da das Kortisondepot noch eine Woche wirkt und Hornhautverletzungen unter Kortison nicht gut heilen. Wir beschließen sie zunächst für zwei Tage dort zu lassen damit sie eine optimale Versorgung mit Augensalben bekommt und vor allem unter Beobachtung ist, denn die Verletzung muss durch Schubbern entstanden sein.
Zehn Tage später, das Kortison ist raus, trotzdem keine Besserung, es bildet sich immer wieder ein Wulst am Rand der Verletzung und diese heilt in der Mitte nicht zu. Es wurde alles versucht was in Standnarkose möglich ist: Abrasio mit einem nassen Wattestäbchen, betupfen mit ätzender Flüssigkeit, Auffrischung der Wunde mit einem scharfen Löffel. Immer wieder muss mein Pferd für ein bis zwei Tage angebunden werden damit sie sich das schmerzende juckende Auge nicht schubbert.
Es wird unter Vollnarkose eine Keratektomie vorgenommen. Danach sieht es zwei Tage so aus als, würde es jetzt endlich heilen, am dritten Tag bildet sich wieder der altbekannte Wulst.
Zehn Tage nach der Keratektomie wird mein Pferd noch mal operiert. Es wird ein gestielter Bindehautflap über die Verletzung genäht um diese endlich zu zu bekommen. Das Auge wird zugenäht, damit der Flap in Ruhe einwachsen kann.
Wieder zehn Tage später wird das Auge geöffnet. Mein Pferd ist zu diesem Zeitpunkt schon einen ganzen Monat in der Klinik.
Der Flap ist gut eingewachsen, alle Fäden können entfernt werden aber das Auge ist komplett trüb und sehr gereizt. Mein Pferd wird noch mal für zwei Tage angebunden, die Gefahr dass sie sich schubbert ist zu groß.
Dann der Anruf: das Auge ist nicht mehr so stark gereizt, sie muss nicht mehr angebunden werden, sie kann nach Hause!
Letzten Donnerstag habe ich nach fünf Wochen mein Pferd aus der Klinik abgeholt. Das Auge ist nach wie vor komplett trüb und in der Mitte genau über der Pupille sitzt der 50 Cent Stück grosse Flap. Nach wie vor kneift sie das Auge halb zu, also scheint es ihr auch noch weh zu tun. Ich kann das ganze immer noch nicht fassen und ich weiss auch noch nicht was weiterhin auf mich zu kommt.
Ich musste die ganze Geschichte jetzt mal an einem Stück los werden. Seit mein Pferd zu Hause ist, habe ich den Eindruck ganz langsam wieder zu erwachen, aber leider war es kein Traum! Schauen wir mal was die Realität so bringt…

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